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Engagement in Siebenbürgen

Hilfswerk

Engagement in Siebenbürgen
Vertrauen durch wertsteigernde Unterstützung


Der Umsturz staatlicher Strukturen in Osteuropa mit all seinen Problemen,
Teuerung bei den Grundnahrungsmittel und der Energieversorgung, Anstieg der Arbeitslosigkeit, damit verbundene Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, Lohndumping, Schwarzarbeit, Arbeitsmigration und Menschenhandel: Rumänien ist seit 2007 ein Mitgliedland der Europäischen Union EU: Warum ist die Hilfe des VEREINs REGION THUN HILFT RUMÄNIEN | VRThR denn weiterhin nötig?

Die sich selbst versorgenden Menschen im von uns betreuten Gebiet, vorwiegend in abgelegenen Dörfern, sind Verlierer des EU-Beitritts.

Im August 2008 wurde von den Agenturen vermeldet, die Kommission der EU komme trotz des im Juli durch die rumänische Regierung verabschiedeten Aktionsplans zur schärferen Korruptionsbekämpfung zum Schluss, die Kontrolle des Staates gegen Korruption und Misswirtschaft bei der Verwendung bis anhin gesprochener EU-Fördermittel versage. Es sei objektiv nicht ausreichend nachvollziehbar, ob die Gelder wirklich den berechtigten Stellen zugute kommen würden. Kritische rumänische Medien berichten, Rumänien sei ein schwacher und korrupter Staat, durch eine schwache, inkompetente Verwaltung organisiert und geleitet, in dem es rentabler ist, das Gesetz zu brechen, als es zu respektieren. Europa fehle es nicht an Informationen hinsichtlich der realen Situation über Politik und Justiz in Rumänien, es fehle Europa am Mut und der notwendigen Entschlossenheit bei der Verteidigung des Rechtsstaates und beim Kampf gegen die Korruption.

Namhafte EU-Diplomaten waren damals der festen Überzeugung, eine weitere Verschiebung des Beitritts bringe nicht viel, denn aufgrund des enormen Wachstums würde Rumänien seine wirtschaftlichen Probleme bis 2007 einigermassen in den Griff bekommen haben, was wiederum die Kosten des Beitritts für die EU überschaubar hielte. In der zentralen Frage der Korruption konstatierte man einen Aufschub sogar für falsch. Die damalige rumänische Regierung sei die erste gewesen, die im Kampf gegen die Korruption wirklich Ernst gemacht habe. Ein Nein aus Brüssel hätte genau diesen wertvollen Reformkräften enormen Schaden zugefügt.

Das Dilemma ist fundamental: Einerseits liegt es im vitalen Interesse eines Rechtsstaates und seiner Wirtschaft, Korruption zu unterbinden, da diese ab einem gewissen Punkt, von wo es keine Rückkehr mehr gibt, in den ökonomischen Ruin führt. Andererseits sind integre Unternehmen in einem korrupten System jederzeit durch jene anderen Teilnehmer am Markt ausbeutbar, die sich durch Bestechungen die lukrativen Aufträge sichern und sich somit ökonomische Vorteile verschaffen. Wenn Schmiergeldzahlungen bekämpft werden sollen, müssen Beamten und Unternehmen über insitutionelle Mittel auch Anreize geboten werden, damit diese den Sinn der Korruptionsbekämpfung auch tatsächlich erkennen und diese umsetzen wollen.

Die Überzeugung, für jede Leistung zusätzlich noch etwas zahlen zu müssen, sitzt tief im Bewusstsein der rechtschaffenen Rumänen. Deshalb ist Bildung wichtig, damit die Kinder später solche Strukturen zu durchbrechen wagen und sich ihnen gute und faire Berufschancen eröffnen. Manch junger Mensch kann dann feststellen, dass es nicht notwendig ist, Leistungen von Behörden einkaufen zu müssen, sondern dass mit viel Verständnis für die Probleme der Leute auf den Ämtern genauso weit zu kommen ist. Rumänien ist ein Land, in dem gerne gesprochen, gern kommuniziert wird. Wenn man nach reichlich zuhören nicht gleich mit der Tür ins Haus falle, sondern jemandem erst einmal die Möglichkeit gebe, einen kennen zu lernen, ist das wohl viel menschlicher und überdies nachhaltiger, als einfach Geld zuzustecken.

Die Missbräuche von Vertrauensstellungen entwickelten sich aus der Not heraus, als Mittel, einen dysfunktionalen Staat, der absurde Forderungen an seine Bewohner stellte, zum Funktionieren zu bringen – erst unter osmanischer Herrschaft und dann auch während der Zeit des Kommunismus.

Auch alte Leute mit kleinster Rente und Patienten brauchen Unterstützung. Die medizinische Dorfpflege ist wichtiger denn je. Die extrem kleinen Renten für Pensionäre von im Durchschnitt knapp 180 Schweizer Franken pro Monat, aber auch die mangelnde staatliche Unterstützung für allein erziehende Elternteile und ihre Kinder, sind sehr stossend: Die Folgen sind Rentner, die ein Dasein in erbärmlichen Zuständen fristen; eine Vielzahl von Eltern, die Mädchen und Jungen zurückgelassen haben und nach Italien, Spanien oder Deutschland gefahren sind, um eine Arbeitsstelle zu finden, deren Lohn ausreicht, eine Familie zu ernähren. Sehr viele Kinder und Jugendliche leben allein, emotionell verwahrlost, einige sind bei Verwandten untergekommen, oder mehr oder weniger gut gesinnte Nachbarn schauen nach ihnen. Aber die Eltern werden vermisst, seelische Deformitäten zeigen sich immer häufiger – und Verzweifungstaten sind an der Tagesordnung.

Aus diesen Gründen sieht sich der VEREIN REGION THUN HILFT RUMÄNIEN | VRThR auch im zweiten Jahrzehnt der Hilfeleistungen weiterhin legitimiert, die siebenbürgische Bevölkerung zu unterstützen. ||||


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